Auslese, Beerenauslese & Trockenbeerenauslese erklärt

Auslese ist ein deutsches Weinprädikat für Wein aus vollreifen, sorgfältig ausgewählten Trauben – aber keine automatische Angabe für einen süßen Wein. Eine Flasche kann deshalb als Auslese trocken, halbtrocken oder süß angeboten werden. Erst die Kombination aus Prädikat, Geschmacksangabe, Rebsorte, Herkunft und Jahrgang zeigt, welcher Stil tatsächlich in der Flasche steckt.

Besonders häufig werden Auslese, Beerenauslese, Eiswein und Trockenbeerenauslese miteinander verwechselt. Beerenauslese und Trockenbeerenauslese sind meist edelsüße Spezialitäten aus hochreifen beziehungsweise edelfaulen Beeren. Eiswein entsteht dagegen aus Trauben, die gefroren gelesen und gefroren gekeltert werden. Der Begriff „Trockenbeerenauslese“ bedeutet trotz des Wortes „trocken“ keinen trockenen Geschmack.

Stand: 21. Juli 2026. Die deutschen Prädikatsstufen bleiben auch mit der stärkeren Herkunftsorientierung des Weinrechts bestehen. Für den Kauf ist jedoch wichtiger denn je, Prädikat und Geschmacksangabe getrennt zu lesen.

Prädikat Grundlage Typischer Stil Geeignet für
Kabinett Reife Trauben mit vergleichsweise niedrigem Mindestmostgewicht Leicht, fein und je nach Ausbau trocken bis süß Aperitif, leichte Küche und unkomplizierter Genuss
Spätlese Später gelesene, reife Trauben Mehr Frucht und Reife; trocken, feinherb oder süß möglich Kräftigere Küche, Käse oder fruchtige Speisen
Auslese Vollreife Trauben; unreife Beeren werden ausgesondert Konzentrierter als Spätlese; trocken bis süß möglich Gehobene Speisen, Käse, Dessert oder Lagerung
Beerenauslese Überreife, meist edelfaule Beeren Edelsüß, konzentriert, fruchtig und von Säure getragen Blauschimmelkäse, Fruchtdessert und besondere Anlässe
Eiswein Bei mindestens minus 7 °C gefroren gelesene und gefroren gekelterte Trauben Sehr süß, intensiv fruchtig und meist besonders säurebetont Fruchtdessert, Käse, Geschenk oder kleine Verkostung
Trockenbeerenauslese Rosinenartig eingeschrumpfte, edelfaule Beeren Sehr süß, honigartig, hochkonzentriert und extrem lagerfähig Dunkle Schokolade, Blauschimmelkäse oder solo

Auslese bedeutet Reife – nicht automatisch Süße

Prädikat und Geschmacksangabe getrennt lesen

Das Prädikat beschreibt in Deutschland den Reifegrad beziehungsweise das Mindestmostgewicht der Trauben bei der Lese. Es sagt zunächst nichts darüber aus, wie viel Zucker nach der Gärung im fertigen Wein verbleibt. Deshalb können Kabinett, Spätlese und Auslese sowohl trocken als auch mit Restsüße ausgebaut werden.

Wein-Genuss - Auslese und Prädikatswein entdecken (Symbolbild)

Wein-Genuss – Auslese und Prädikatswein entdecken (Symbolbild)

Eine Auslese trocken stammt aus besonders reifen, ausgewählten Trauben, wurde aber so weit vergoren, dass sie die gesetzlichen Anforderungen für trockenen Wein erfüllt. Das kann ein Weißwein sein, etwa Riesling oder Weißburgunder, aber ebenso ein Rotwein. Die Suchformulierung „Rotwein Auslese trocken“ ist daher kein Widerspruch.

Angabe Was sie tatsächlich beschreibt Wichtig beim Kauf
Auslese Reife und Auswahl der Trauben beziehungsweise das erreichte Mindestmostgewicht Nicht automatisch süß; zusätzliche Geschmacksangabe prüfen
Trocken Gesetzlich begrenzten Restzucker unter Berücksichtigung der Säure Bis 4 g/l Restzucker oder unter bestimmten Säurebedingungen bis 9 g/l
Halbtrocken Leichte Restsüße innerhalb gesetzlicher Grenzwerte Bis 12 g/l oder unter bestimmten Säurebedingungen bis 18 g/l
Feinherb Keine rechtlich festgelegte Geschmacksstufe Kann je nach Erzeuger halbtrocken bis deutlich fruchtig wirken
Lieblich Mehr Restsüße als halbtrocken, höchstens 45 g/l Deutlich süßer, aber häufig noch von Säure balanciert
Süß Mehr als 45 g/l Restzucker Säure, Alkohol und Konzentration bestimmen den tatsächlichen Eindruck mit

Wer noch nicht sicher ist, ob ein trockener, fruchtiger oder süßer Stil besser passt, kann die Auswahl mit unserem Ratgeber „Welcher Wein schmeckt mir?“ nach Säure, Süße, Körper und Aroma eingrenzen.

Von Kabinett bis Trockenbeerenauslese

Die sechs deutschen Prädikate lauten in aufsteigender Reihenfolge Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein und Trockenbeerenauslese. Das erforderliche Mindestmostgewicht unterscheidet sich je nach Rebsorte und Anbaugebiet. Prädikatswein muss aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammen, die amtliche Qualitätsweinprüfung bestehen und darf nicht zur Erhöhung des Alkoholgehalts angereichert werden.

  • Spätlese entsteht aus später gelesenen, reiferen Trauben. Sie kann trocken ausgebaut sein oder eine erkennbare Restsüße besitzen. Eine Auslese verlangt stärker selektiertes Lesegut und wirkt häufig konzentrierter, ist aber ebenfalls nicht zwingend süß.
  • Beerenauslese entsteht aus überreifen, häufig von Edelfäule geprägten Beeren. Die aufwendige Auswahl und die geringe Saftausbeute machen sie selten und meist deutlich teurer als eine normale Auslese.
  • Eiswein erreicht mindestens das Mostgewicht einer Beerenauslese. Die Trauben müssen bei mindestens minus 7 °C gefroren gelesen und in gefrorenem Zustand gekeltert werden. Wasser bleibt dabei als Eis zurück, während ein stark konzentrierter Most ausgepresst wird. Eiswein ist deshalb süß, besitzt aber häufig eine besonders markante Säure.
  • Trockenbeerenauslese bildet die Spitze der deutschen Prädikatspyramide. Das Wort „trocken“ bezieht sich auf die rosinenartig eingeschrumpften Beeren und nicht auf den Restzucker des fertigen Weins. Eine TBA ist normalerweise sehr süß, konzentriert und nur in geeigneten Jahren möglich.

Auslese trocken, Beerenauslese oder TBA richtig kaufen

Etikett, Jahrgang und Flaschengröße prüfen

Beim Online-Kauf sollte nicht nur nach „Auslese“ gesucht werden. Die vollständige Bezeichnung entscheidet darüber, ob ein trockener Speisenbegleiter oder ein edelsüßer Wein geliefert wird. Sinnvoll ist diese Reihenfolge:

  1. Prädikat lesen: Auslese, Beerenauslese, Eiswein oder Trockenbeerenauslese?
  2. Geschmacksangabe prüfen: trocken, halbtrocken, feinherb, lieblich oder süß?
  3. Rebsorte und Herkunft beachten: Riesling wirkt anders als Gewürztraminer, Weißburgunder oder Spätburgunder.
  4. Jahrgang einordnen: Junge Weine zeigen mehr Primärfrucht, gereifte Flaschen häufig Honig-, Kräuter- und Reifearomen.
  5. Flaschengröße vergleichen: Edelsüße Weine werden oft in 0,375-Liter-Flaschen verkauft.
  6. Lagerung und Füllstand prüfen: Bei älteren Flaschen sind Herkunft, Lagerbedingungen und Zustand besonders wichtig.

Eine kleine Flasche Trockenbeerenauslese ist nicht automatisch überteuert. Für einen Liter Wein werden extrem viele selektierte Beeren benötigt, die Saftausbeute ist gering und die Lese erfolgt vielfach von Hand. Zum Preisvergleich sollte deshalb zusätzlich der Literpreis betrachtet werden.

Beerenauslese, Eiswein und Trockenbeerenauslese entstehen nicht in jedem Jahrgang in vergleichbarer Menge. Wetter, Reifeverlauf, Edelfäule und Frost entscheiden darüber, ob die jeweiligen Bedingungen erreicht werden. Eine ältere Flasche kann spannend sein, sollte aber nur aus nachvollziehbarer Lagerung gekauft werden.

Grundlagen zu Händlerangaben, Probierkäufen und der ersten Bestellung erklärt unser Beitrag Wein online kaufen für Anfänger. Nach der Stilentscheidung lassen sich in der Wein-Kategorie verfügbare Herkünfte und Geschmacksrichtungen vergleichen.

Welcher Prädikatswein passt zum Kaufziel?

Kaufziel Passender Stil Darauf achten
Trockener Wein zum Essen Riesling, Weißburgunder oder Spätburgunder Auslese trocken „Trocken“ muss ausdrücklich auf Etikett oder Produktbeschreibung stehen
Fruchtiger Wein mit feiner Süße Riesling Auslese feinherb oder fruchtsüß Restzucker, Säure und Alkohol gemeinsam betrachten
Dessertwein für mehrere Personen Auslese süß oder Beerenauslese Wein sollte mindestens so süß wie das Dessert sein
Kontrast zu Blauschimmelkäse Beerenauslese, Eiswein oder Trockenbeerenauslese Genügend Säure verhindert einen schwerfälligen Eindruck
Geschenk oder Sammlerflasche Eiswein oder TBA mit klarer Herkunft und nachvollziehbarer Lagerung Jahrgang, Füllstand, Flaschengröße und seriöse Bezugsquelle prüfen
Erster Einstieg in edelsüßen Wein Fruchtsüße Auslese oder Beerenauslese in kleiner Flasche Lieber eine gute kleine Flasche als eine beliebige Großflasche

Bei österreichischen Weinen ist die Systematik ähnlich, aber nicht identisch. Dort zählen Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein, Stroh- beziehungsweise Schilfwein und Trockenbeerenauslese zu den Prädikatsweinen. Zusätzlich gibt es regionale Besonderheiten wie Ruster Ausbruch. Die genaue Herkunfts- und Geschmacksangabe sollte deshalb immer mitgelesen werden.

Servieren, kombinieren und lagern

Die Trinktemperatur richtet sich stärker nach dem tatsächlichen Stil als nach dem Wort „Auslese“. Eine trockene Weißwein-Auslese darf etwas wärmer serviert werden als ein einfacher leichter Weißwein. Edelsüße Weine werden kühl eingeschenkt, aber nicht eiskalt, damit Frucht, Würze und Textur erkennbar bleiben.

Weinstil Passende Speisen Temperatur als Ausgangspunkt
Weiße Auslese trocken Kräftiger Fisch, Geflügel, Kalb, Pilze und cremige Saucen Etwa 9 bis 12 °C
Rotwein Auslese trocken Braten, Wild, Pilze, Schmorgerichte und gereifter Hartkäse Etwa 14 bis 17 °C
Fruchtsüße Auslese Obstkuchen, würzige Küche, Leberpastete oder kräftiger Käse Etwa 8 bis 10 °C
Beerenauslese Blauschimmelkäse, Aprikosendessert, Fruchttarte und feines Gebäck Etwa 8 bis 10 °C
Eiswein Fruchtdessert, salziger Käse oder als kleiner Solist Etwa 8 bis 10 °C
Trockenbeerenauslese Dunkle Schokolade, Blauschimmelkäse oder ohne Speise Etwa 10 bis 12 °C

Bei Dessert gilt eine wichtige Grundregel: Der Wein sollte mindestens so süß sein wie die Speise. Sonst wirkt er daneben schnell dünn, sauer oder bitter. Beerenauslese und Trockenbeerenauslese harmonieren besonders gut mit Schokolade, wenn Süße und Intensität zueinander passen.

Zu kräftigem Blauschimmelkäse sind Beerenauslese, Eiswein und TBA klassische Kontrastpartner. Salz und Würze des Käses treffen auf Süße und Säure des Weins. Weitere Kombinationen nach Käseart enthält unser Ratgeber welcher Wein zu Käse passt.

Junge edelsüße Weine müssen normalerweise nicht dekantiert werden. Ein größeres Weißweinglas und etwas Zeit im Glas reichen meist aus. Alte Auslesen oder TBA sollten vorsichtig geöffnet werden, da sich Depot gebildet haben kann. Praktische Hinweise zu Glas und Temperatur stehen im Beitrag zum richtigen Servieren von Wein.

Hochwertige Beerenauslesen, Eisweine und Trockenbeerenauslesen können sich unter guten Bedingungen über Jahrzehnte entwickeln. Das gilt nicht automatisch für jede Flasche. Säure, Zucker, Jahrgang, Verschluss, Erzeugung und bisherige Lagerung bestimmen das tatsächliche Potenzial. Der Wein sollte kühl, dunkel und möglichst temperaturstabil aufbewahrt werden. Weitere Grundlagen bietet unser Ratgeber zur Lagerdauer und richtigen Weinaufbewahrung.

FAQ und geprüfte Quellen

Häufige Fragen zu Auslese und Prädikatswein

Was bedeutet Auslese bei Wein?

Auslese ist ein deutsches Prädikat für Wein aus vollreifen, ausgewählten Trauben. Unreife Beeren werden ausgesondert. Das Prädikat beschreibt die Reife des Leseguts, aber nicht automatisch die Süße des fertigen Weins.

Ist Auslese immer süß?

Nein. Auslese kann trocken, halbtrocken, feinherb, lieblich oder süß ausgebaut werden. Entscheidend ist die zusätzliche Geschmacksangabe auf dem Etikett oder in der Produktbeschreibung.

Was bedeutet Auslese trocken?

Auslese trocken ist Wein aus besonders reifen, ausgewählten Trauben, der bis zu den gesetzlichen Grenzwerten für trockenen Wein vergoren wurde. Prädikat und Geschmacksrichtung beschreiben zwei unterschiedliche Eigenschaften.

Kann ein Rotwein eine Auslese trocken sein?

Ja. Auch rote Rebsorten können die Voraussetzungen für eine Auslese erfüllen und anschließend trocken vergoren werden. Ein Beispiel ist Spätburgunder Auslese trocken.

Was ist der Unterschied zwischen Spätlese und Auslese?

Spätlese stammt aus später gelesenen reifen Trauben. Für Auslese werden vollreife Trauben selektiert und unreife Beeren ausgesondert. Auslese erreicht ein höheres Mindestmostgewicht, kann aber ebenso trocken oder süß sein.

Was ist der Unterschied zwischen Auslese und Beerenauslese?

Auslese wird aus vollreifen ausgewählten Trauben erzeugt. Beerenauslese stammt aus überreifen, meist edelfaulen Einzelbeeren und ist deutlich konzentrierter, seltener und normalerweise süß.

Warum ist Trockenbeerenauslese süß?

Das Wort „trocken“ bezieht sich auf die rosinenartig eingetrockneten Beeren, nicht auf den Geschmack. Trockenbeerenauslese enthält typischerweise sehr viel natürlichen Restzucker und schmeckt intensiv süß.

Was ist der Unterschied zwischen Eiswein und Beerenauslese?

Eiswein entsteht aus Trauben, die bei mindestens minus 7 °C gefroren gelesen und gefroren gekeltert werden. Beerenauslese wird aus überreifen, meist edelfaulen Beeren erzeugt. Beide müssen mindestens ein vergleichbares Mostgewicht erreichen.

Welches ist das höchste deutsche Weinprädikat?

Trockenbeerenauslese steht an der Spitze der deutschen Prädikatspyramide. Sie entsteht aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren und kann nicht in jedem Jahrgang erzeugt werden.

Worauf sollte man beim Kauf von Trockenbeerenauslese achten?

Wichtig sind Herkunft, Rebsorte, Jahrgang, Flaschengröße, Füllstand und nachvollziehbare Lagerung. Bei älteren Flaschen sollte die Bezugsquelle besonders sorgfältig geprüft werden.

Bei welcher Temperatur trinkt man Auslese?

Trockene weiße Auslese wird ungefähr bei 9 bis 12 °C serviert, trockene rote Auslese bei etwa 14 bis 17 °C. Süße Auslese, Beerenauslese und Eiswein starten meist bei 8 bis 10 °C.

Wie lange kann man Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese lagern?

Gute edelsüße Weine können sich bei korrekter Lagerung über viele Jahre oder Jahrzehnte entwickeln. Eine feste Garantie gibt es nicht, weil Jahrgang, Säure, Zucker, Verschluss und bisherige Aufbewahrung entscheidend sind.

Geprüfte Quellen

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Redaktion
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